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Gefährliche Fehlwürfe: Warum falsch entsorgte Lithium-Ionen-Akkus Recyclinganlagen in Brand setzen können
Auf deutschen Wertstoffhöfen und in Recyclinganlagen kommt es so häufig zu Bränden wie seit Jahren nicht mehr. Der Hauptgrund sind Lithium-Ionen-Akkus, die falsch entsorgt werden und unbemerkt im Abfall landen. Werden sie in Sortier- oder Zerkleinerungsprozessen beschädigt, kann es zu Bränden kommen, etwa durch Kurzschlüsse oder unkontrollierte Überhitzung der Akkus. Das führt zu erheblichen Gefahren für Mitarbeitende, Anlagen und Umwelt.
24.03.2026
Tatsächlich gehören Lithium-Akkus nicht in den Restabfall, sondern in getrennte Sammelsysteme nach Elektro- und Batterierecht. Gelangen sie dennoch in gemischte Abfälle, wird deren Aufbereitung brandgefährlich: Bevor Materialien verwertet werden können, werden sie geschreddert. Wird dabei ein Akku beschädigt, kann er sich entzünden oder sogar explodieren. Mit der wachsenden Zahl akkubetriebener Geräte nimmt dieses Risiko kontinuierlich zu. Auch Branchenverbände sehen weiterhin Handlungsbedarf: Trotz Fortschritten im ElektroG „fehlen dringend notwendige Brandschutzmaßnahmen weiterhin“, warnt der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) mit Blick auf Batteriebrände in Entsorgungsanlagen.
Rechtlicher Rahmen und notwendige Weiterentwicklungen
Mit der EU-Batterieverordnung und ihrer nationalen Umsetzung in das Batterierecht-Durchführungsgesetz (BattDG) wurden Rücknahme- und Sammelpflichten für Altbatterien gestärkt. Ziel ist es, Fehlwürfe zu reduzieren und wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Nickel oder Kobalt im Kreislauf zu halten.
Branchenverbände wie der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft e. V. (BDE) und der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e. V. (bvse) verweisen weiterhin auf Sicherheits- und Strukturdefizite im Umgang mit Lithium-Ionen-Akkus sowie auf deutlich zunehmende Schadensfälle durch Batteriebrände. Diese Entwicklung verschärft auch die Versicherungssituation in der Recyclingbranche: Nach größeren Schadensereignissen ziehen sich Versicherer laut bvse zunehmend aus der Absicherung zurück oder erhöhen Prämien und Selbstbeteiligungen deutlich. In einigen Fällen werden abgebrannte Anlagen nicht wieder aufgebaut, was auch Auswirkungen auf die regionale Entsorgungssicherheit haben kann.
Verbände und kommunale Entsorger fordern deshalb zusätzliche Instrumente: Dazu zählen ein Verbot besonders problematischer Einwegprodukte mit integrierten Akkus – etwa Einweg-E-Zigaretten – sowie wirtschaftliche Anreize wie Pfandlösungen für Lithium-Batterien. Der BDE fordert hier ausdrücklich: „Wir brauchen ein Batteriepfand, um Fehlwürfe wirksam zu reduzieren.“
Einweg-Vapes stehen exemplarisch für Fehlentwicklungen: Millionen Geräte mit fest verbauten Akkus werden nach kurzer Nutzungsdauer entsorgt. Gelangen sie in den Restabfall, erhöhen sie nicht nur das Brandrisiko, sondern führen zugleich zur Verschwendung wertvoller Rohstoffe. Sie stehen damit sinnbildlich für ein ressourcenintensives Wegwerfmodell bei eigentlich langlebiger Hochtechnologie. Ein Verbot solcher Produkte würde sowohl die Sicherheit als auch den Schutz von Ressourcen stärken.
Weiterführende Informationen zu Risiken, Entsorgungswegen und kommunalen Handlungsmöglichkeiten stellt der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) in einer FAQ-Sammlung zu Lithium-Ionen-Akkus bereit: FAQ Lithium-Ionen-Akkus des BDE.
Entsorger rüsten in Sachen Brandschutz auf
Da Fehlwürfe trotz gesetzlicher Vorgaben weiterhin auftreten, sind Entsorgungsunternehmen gezwungen, ihre Brandschutz- und Sicherheitskonzepte kontinuierlich auszubauen. Dazu zählen automatische Brandfrüherkennung mit Wärmebild- und Hitzesensorik, KI-gestützte Systeme zur Identifikation kritischer Abfälle, stationäre und mobile Löschtechnik sowie angepasste Annahme- und Lagerkonzepte für Batterien. Ebenso wichtig sind Schulungen des Personals im Umgang mit Lithium-Akkus.
Sensibilisierungsmaßnahmen machen zusätzlich sichtbar, welche Folgen Fehlwürfe haben können. Mit einer 2026 gestarteten Kampagne macht die FES (Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH) auf Sammelfahrzeugen mit drastischen Motiven – zum Beispiel brennenden Abfallfahrzeugen – und Slogans wie „Das könnte deine E-Zigarette gewesen sein“ auf die Gefahren von Akkus aus kleinen Geräten aufmerksam. Solche Beispiele spiegeln die Realität vieler Recyclingbetriebe wider: Noch immer gelangen zu viele Akkus und Elektrogeräte in gemischte Abfälle – und damit in die Behandlungsanlagen.
Sichere Sammlung und Logistik mit RETRON
Neben Prävention in den Anlagen ist auch eine sichere vorgelagerte Sammlung, Lagerung und Beförderung von Lithium-Akkus entscheidend. Kommunen stehen hier vor unterschiedlichen praktischen Herausforderungen – abhängig von Mengen, Sammelstruktur und vorhandenen Behandlungswegen. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie erfordern abgestimmte Systeme für die sichere Erfassung von Batterien in Wertstoffhöfen und im gewerblichen Bereich.
Um den steigenden Mengen an Lithium-Ionen-Akkus gerecht zu werden, hat RETRON, ein Unternehmen der REMONDIS-Gruppe, spezielle Sicherheitsbehälter für Batterien entwickelt. Die RETRON BOX ermöglicht die normgerechte Sammlung, Lagerung und den Transport von Lithium-Akkus aus Elektrogeräten, Werkzeugen oder E-Bikes – dies gilt ausdrücklich auch für beschädigte oder defekte Akkus. Die Behälter sind feuerbeständig und verfügen über integrierte Sicherheits- und Alarmsysteme, die im Ereignisfall frühzeitig warnen und eine Brandausbreitung verhindern. Damit schließen sie die sicherheitskritische Lücke zwischen Sammlung und Behandlung und reduzieren Risiken entlang der gesamten Entsorgungskette.
RETRON berät Kommunen, Unternehmen und Betreiber von Sammelstellen zu Sicherheitskonzepten sowie zur Sammlung, Lagerung und zum Transport von Lithium-Ionen-Akkus und anderen Batterien.
Quellen:
- bvse: Versicherungskrise bedroht Recyclingbranche. Link
- bvse: ElektroG-Novelle bringt Fortschritte - aber dringend notwendige Brandschutz-Maßnahmen fehlen weiterhin. Link
- bvse: Versicherungskrise bedroht Recyclingbranche: Brände und Deckungslücken gefährden Kreislaufwirtschaft. Link
- FES Frankfurt: Neuer Look aus ernstem Grund. Link
- Klimaschutz Kommune: Kabinett verabschiedet Batterierecht-Durchführungsgesetz. Link
- REMONDIS Aktuell: Batterien und Recycling – nur zusammen stark. Link
- REMONDIS Aktuell: Recyclingwirtschaft warnt vor Einweg E-Zigaretten. Link
- REMONDIS Aktuell: Powerpack mit Nebenwirkungen. Link
- REMONDIS Aktuell: Ein Instrument mit komplexen Anforderungen. Link
- RETRON: Lithium-Ionen-Akkus: Lagerung auf höchstem Niveau. Link