Vom 8. bis 9. Juli 2026 kamen in der nordrhein-westfälischen Stadt Selm Aussteller, Kommunen und Branchenexperten zur größten Open-Air-Fachausstellung der Entsorgungslogistik in Deutschland zusammen, um über die Mobilitätswende in der Entsorgungsbranche sowie in kommunalen Eigen- und Bewirtschaftungsbetrieben zu diskutieren.
Mit 158 Ausstellern und 1.700 Fachbesuchern erreichte die Fachausstellung für Nutzfahrzeuge, alternative Antriebstechnologien und Kommunaltechnik neue Rekorde. Neben Fachvorträgen und Präsentationen stand beim Rahmenprogramm der zweitägigen Veranstaltung vor allem der Austausch der Teilnehmenden im Mittelpunkt. Insbesondere die Frage, welche Alternativen zu fossilen Treibstoffen sich in der Branche durchsetzen werden, wurde rege diskutiert.
„Kraftstoff-Mosaik“ aus Antriebsarten für die Mobilitätswende
Der erste Ausstellungstag widmete sich insbesondere der aktuellen Situation der Ladeinfrastruktur in Deutschland. Den Auftakt bildete der Impulsvortrag von Sebastian Winkler, Area Sales Manager bei Iveco Deutschland, zum Thema „Alternative Antriebstechnologien für Entsorgungsbetriebe und Kommunen“. Winkler betonte, wie wichtig es sei, sämtliche alternative Kraftstoffe einzubeziehen. Derzeit gebe es viele verschiedene Arten auf dem Markt, darunter Biogas, HVO100 (Diesel aus biologischen Rest- und Abfallstoffen wie Altspeiseölen oder tierischen Fetten), Wasserstoff und Elektrizität. Niemand könne derzeit mit Sicherheit sagen, welcher Kraftstoff sich letztlich durchsetzen werde. Man müsse sich von dem Gedanken verabschieden, dass es nur die eine richtige Lösung gebe, und stattdessen ein „Kraftstoff-Mosaik“ aufbauen.
Die anschließende Podiumsdiskussion „Plug, Tank oder Pipeline? Der Mobilitätsmix von morgen", moderiert von Sascha Hähnke, Geschäftsführer von REMONDIS Sustainable Services, vertiefte das Thema weiter. Gemeinsam mit den Branchenexperten Domenic Huch von NRW.Energy4Climate, Julian Janocha von der Westfalen AG, Jochen Schmidt von der Wilhelm Hoyer B.V. & Co. KG, Andreas Stahl von der SBRS GmbH, Jens Voshage von der OG Clean Fuels GmbH und Falk Schulte-Wintrop von der H2 MOBILITY Deutschland GmbH & Co. KG Berlin erörterte Sascha Hähnke, in welchem Umfang sich Elektromobilität und andere Antriebstechnologien bedarfsgerecht umsetzen lassen und welche Vorgaben und Förderprogramme seitens der Landes- und Bundespolitik dafür notwendig sind. Im Anschluss öffnete er die Runde für die Zuschauerinnen und Zuschauer, die sich mit eigenen Fragen und Perspektiven in die Diskussion einbrachten. Einigkeit bestand darin, wie wichtig der branchenweite Austausch aller Beteiligten ist.
Umweltminister von NRW betont die Innovationskraft der Entsorgungsbranche
Am zweiten Ausstellungstag ging es praxisorientiert zu: Der nordrhein-westfälische Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Oliver Krischer, betonte in seinem Grußwort die Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft der Recycling- und Entsorgungsbranche. Im Anschluss besuchte er den Stand von REMONDIS, um das neu entwickelte Sammelfahrzeug reECONIC in Augenschein zu nehmen und den Lkw-Simulator der RECADEMY Drive zu testen.
KI als Schlüsseltechnologie für Verkehrssteuerung und Stadtsauberkeit
Die Podiumsdiskussion „Von Stau zu Smart Flow – Mit KI den Weg für Stadt, Unternehmen und Bürger frei machen" legte den Fokus auf die effiziente Verkehrssteuerung mittels KI-gestützter Tools. Prof. Dr. Maren Schnieder von der Hochschule Bochum moderierte die Runde mit Dr. Christian Klicki (Stadt Lünen), Gary Hilgemann (REBOTNIX GmbH) und Silvio Löderbusch (REMONDIS Production GmbH). Im Rahmen der Diskussion sprach man über ein Projekt, das am Beispiel der Zufahrt zum Lippewerk von REMONDIS in Lünen Verkehrsprozesse abbilden und daraus Lösungen für eine effizientere Verkehrssteuerung ableiten soll. Die Runde war sich einig: Künstliche Intelligenz ist ein Werkzeug, das beim Sammeln und Auswerten der Verkehrsdaten unterstützt. Der eigentliche Mehrwert ergibt sich aber erst aus der Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen.
Neben der Verkehrsführung spielt künstliche Intelligenz in der Recyclingbranche auch bei der Stadtsauberkeit eine wichtige Rolle. Lösungen wie DATAFLEET und CORTEXIA von REMONDIS Digital setzen auf KI-gestützte Technologien, um Stadtsauberkeit und Prozesseffizienz zu verbessern. Dr. Christian Klicki hob während der Podiumsdiskussion hervor, dass die Stadtsauberkeit die Visitenkarte einer Stadt sei und damit auch das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger in die Kommune fördere.
Förderung und Zusammenhalt der Branche elementar für die Kreislaufwirtschaft
Die Politik ist sich der Herausforderungen bewusst, mit denen die Recyclingbranche derzeit konfrontiert ist. Aktuell beschäftigen die Branche nicht nur Mobilitätsthemen und Prozesseffizienz, sondern auch die Zunahme von Abfallarten, die bei unsachgemäßer Entsorgung mitunter gefährlich sein können und für die es gesetzliche Regelungen braucht. So betonte Oliver Krischer in seinem Beitrag, dass es bezüglich eines Verbots von Einweg-E-Zigaretten bereits Gespräche mit dem Bundesumweltministerium geführt wurden. Als Wegwerfprodukte mit eingebauter Lithium-Ionen-Batterie stellen sie ein besonderes Gefahrenpotenzial für die Entsorgungsbranche dar.
Die zweitägige Fachausstellung zeigte in diesem Jahr: Förderprogramme von Bund und Europäischer Union, moderne Technologien sowie die Zusammenarbeit von Unternehmen und Kommunen bleiben entscheidende Faktoren auf dem Weg hin zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft. Der “13. Tag der Entsorgungs-Logistik & Kommunaltechnisch” findet am 15. und 16. September 2027 statt.