Hohe CO₂-Emissionen bei der Fahrzeugherstellung, Rohstoffabhängigkeit, Versorgungsrisiken: Die Nutzfahrzeugbranche steht unter Druck. Ein Lösungsansatz findet sich im reECONIC. Das batterieelektrische Abfallsammelfahrzeug sammelt nicht nur Recyclingmaterialien, sondern besteht selbst bis zu 80 Prozent aus ihnen.
E-Mobilität in der kommunalen Logistik: Erste Schritte in Richtung Ressourcenschutz
Der reECONIC ist nicht das erste Fahrzeug, mit dem die kommunale Logistik neue Wege in Richtung Nachhaltigkeit beschreitet. Mercedes-Benz Trucks gehört zu den ersten Automobilherstellern, die sich mit diesem Thema befasst haben. Mit dem eECONIC hat das Unternehmen das erste elektrisch betriebene Sammelfahrzeug für die Kommunallogistik entwickelt. Nach einer umfangreichen Testphase und dem Produktionsstart im Jahr 2022 setzt REMONDIS den eECONIC unter anderem seit 2024 auf Sylt ein. Das Fahrzeug ist dabei besonders emissions- und geräuscharm unterwegs – was gerade in Urlaubsregionen wie auf der Nordseeinsel einen deutlichen Mehrwert darstellt. Das Konzeptfahrzeug reECONIC geht noch einen Schritt weiter: Es setzt nicht nur auf E-Mobilität, sondern kreislaufwirtschaftliche Konzepte nahezu ganzheitlich um.
Was das in der Praxis bedeutet, erklärt Sascha Hähnke, Geschäftsführer der REMONDIS Sustainable Services GmbH: „Die gesamte Entwicklung des Mercedes Econic ist ein treffendes Beispiel dafür, wie eine Kommune im Zusammenspiel mit der REMONDIS-Gruppe eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung eines kompletten Fahrzeugkonzepts spielen kann. Unsere langjährige norddeutsche Öffentlich-Private Partnerschaft, die BEG Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft mbH, war bereits 2019 Feldversuchspartner für den ersten batterieelektrischen eEconic, damals noch unter Regie der FAUN-Gruppe. Der reECONIC stellt nun den nächsten Innovationsschritt dar, den wir gemeinsam mit unserer Tochtergesellschaft TSR sowie den Partnern Daimler Truck und FAUN gegangen sind.“
Konzepte für nachhaltigen Nutzfahrzeugbau
Für den Bau von Fahrzeugen werden vor allem Stahl und Aluminium benötigt, deren Herstellung weltweit große Mengen an Emissionen verursacht: Allein die Stahlindustrie ist für sieben bis elf Prozent der Emissionen verantwortlich. Für jedes Kilogramm hergestellten Stahls entstehen rund 1,65 Kilogramm Kohlenstoffdioxidemissionen. Bei der Produktion von Aluminium ist dieser Wert fast zehnmal so hoch. Entsprechend wächst das Interesse an nachhaltigen und ressourcenschonenden Alternativen bei Nutzfahrzeugen spürbar.
Die Industrie braucht hier aber verschiedene Lösungen, die bereits bei der Materialauswahl der Fahrzeuge und nicht ausschließlich beim Antriebstyp greifen. Es gibt bereits eine Vielzahl konkreter Projekte: Grüner Stahl, der mit Elektrolichtbogenofen-Technologie hergestellt wird, reduziert den CO2-Ausstoß gegenüber der konventionellen Produktion um bis zu 75 Prozent. Erdölbasierte Kunststoffe lassen sich zunehmend durch Alternativen wie Naturfasern oder Materialien auf Basis von Industrieabfällen ersetzen.
Der reECONIC: Design For Recycling
Auf der diesjährigen IFAT in München wurde der reECONIC nun vorgestellt: REMONDIS, die TSR Group, Mercedes-Benz Trucks, FAUN Umwelttechnik und weitere Partnerunternehmen präsentierten ihr batterieelektrisches Abfallsammelfahrzeug, das die Prinzipien der Kreislaufwirtschaft konsequent in die Praxis überträgt. Das Fahrzeug besteht selbst zu einem großen Teil aus recycelten Materialien und Naturprodukten und soll künftig im täglichen Einsatz Wertstoffe für den Recyclingkreislauf einsammeln.
Bis zu 80 Prozent der Hauptmaterialien, die in dem Fahrzeug verbaut sind – darunter Stahl, Aluminium, Glas und Kunststoffe –, lassen sich durch Rezyklate und biobasierte Stoffe ersetzen. Bei einem Gewicht von 6,5 Tonnen entspricht das einem Rezyklatanteil von etwa 5,2 Tonnen. Der reECONIC ist damit ein Fahrzeug mit Signalwirkung, das kreislaufwirtschaftliche Prozesse direkt erfahrbar macht.
Dass dieses Konzept in der Branche ankommt, zeigen die positiven Reaktionen: „Das Echo und die Reaktionen auf die IFAT sowie auch danach waren großartig – damit hatten wir wirklich nicht gerechnet. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass es daran liegt, dass man – im Unterschied zu reinen Recycling- oder Aufbereitungsprozessen – bei diesem Fahrzeug Kreislaufwirtschaft live und in Farbe sehen, anfassen und im wahrsten Sinne des Wortes erfahren kann“, so Sascha Hähnke.
Ab Mitte 2026 wird der reECONIC bei REMONDIS in der Praxis getestet. Die hier gewonnenen Erkenntnisse sollen direkt für die Weiterentwicklung genutzt werden.
Quellen
- Mercedes-Benz Trucks: Kreislaufwirtschaft auf der Strasse: Der eECONIC als reECONIC neu gedacht
- Daimler Truck: Zweispurig zur Kreislaufwirtschaft: Mercedes-Benz Trucks zeigt den reECONIC – ein batterieelektrisches Fahrzeug mit recycelten Materialien
- REMONDIS Aktuell: Batterieelektrisches Sammelfahrzeug mit recycelten Materialien
- TSR: TSR Group zeigt gemeinsam mit Mercedes-Benz Trucks und FAUN den reECONIC
- IPOINT: CO2-Emissionen der Autoherstellung: Carbon Footprint & Ökobilanz
- Mercedes Benz Trucks: Der vollelektrische Mercedes-Benz eEconic kommt